Tschüss, Komfortzone.

"Die studiert was mit Kunst. Also sowas wie Malen."

 

"Nein, Malen war im Bachelor, da durften

wir nur Buchstaben ausmalen. Heute ist es Malen PLUS,

da darf man auch außerhalb der Buchstaben malen."

 

Im März des vergangenen Jahres hatte ich nach 3,5 Jahren meinen Bachelorabschluss erreicht. Nach 3,5 Jahren Fernstudium, Grafik Design. Montag bis Freitag arbeiten, Samstag in die Uni, manchmal Abends Vorlesungen online. Klingt einfach, ist aber nicht zu unterschätzen. Man verzichtet auf viel. Aber man will es ja erreichen, den Abschluss, die eigenen Erwartungen erfüllen.

 

Schon vor der Bachelor-Prüfung war für mich klar, dass ich auch noch meinen Master machen will. Freunde fragten "Und was kannst du dann damit machen?" - "Weiß noch nicht, aber es macht Spaß."

 

 

Das virtuelle Masterstudium macht es mir möglich, von zu Hause aus mein Studium durchzuführen. Ich muss an keine Hochschule nach "sonst-wo" fahren, nicht umziehen, nicht stundenlang im Stau stehen und hoffen, dass ich pünktlich zu irgendeiner Klausur komme. (Ok, man muss auch Prüfungen ablegen und an die Hochschule fahren, aber eben nicht jeden Tag.) Das virtuelle Studieren war zu Beginn total komisch, man hat selbst das Gefühl, dass man "nichts Richtiges" studiert. Sitzt man doch nur stundenlang vor dem Computer, diskutiert, bespricht, entwickelt Ideen, Konzepte, schreibt Gedanken nieder, lauscht den Worten der Professoren und erlernt neue Dinge. Wo ist da dann noch der Unterschied? Nach über einem Jahr kann ich sagen, es ist toll, praktisch und ich lerne sehr sehr viel, vielleicht viel mehr, wie wenn ich gestresst in einer Hochschule ankommen würde und in den Raum der Vorlesung hetzen müsste, weil ich Mal wieder zu spät bin. 

 

Heute, zu Beginn des 3. Semesters im Master weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war, den Master zu machen. Ich gebe zu, ich habe oft geflucht, war genervt, vor allem von mir selbst. Viel Freiraum, neue Gedanken und dann ist da noch die Komfortzone: Job, Einkommen, Sicherheit. Ich habe sie verlassen, gestartet in die Selbstständigkeit, Freiheit, mein eigener Chef. Das Studium hat mich sicherlich nicht auf solche Dinge wie "an wen muss ich mich bei Fragen wenden?" - Versicherungen, Finanzamt, Steuern, Kunden - das macht sich alles nicht alleine, muss aber gemacht werden. Viele Telefonate, viele Briefe, etliche E-Mails, aber irgendwann schafft man auch das. Es ist ärgerlich, dass man kein Handbuch von der Hochschule bekommt mit dem Titel "Was du tun musst, wenn du dich entschließt deine Komfortzone zu verlassen." Aber man kann alles schaffen und diese Erfahrungen machen einen reicher.

 

Wobei hilft mir denn nun mein Studium? Neue Gedanken, Konzepte, kreative Ideen, Kundenumgang, Umgang mit mir selbst, Selbstreflexion - ich würde sagen es hat mich erwachsener gemacht, was meine Arbeitsweise angeht.